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Tunesien 2002

Tunesien

© ELC 02/2003

Im Land der Berber und Karthager

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Nach nur drei Flugstunden landen wir in Monastir - wir sind in Tunesien, einem Tor zum Orient. Routiniert wurden, nach der Ankunft, die Touristen in ihre Bettenburgen verfrachtet.                                   Erstmals auf einer Reise, durften wir uns dabei als Kofferträger betätigen und unsere Sachen im Bus selbst verstauen; vielleicht, weil es Freitag war! Im Hotel - “Liberty” in Monastir-Skanes - empfing uns zunächst die reine Bürokratie - bei düsterem Licht, mußten zunächst die Anmeldeformulare ausgefüllt werden.

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Monastir: Mausoleum der Familie Bourguiba

Nachdem wir endlich unser Hotelzimmer im Keller - respektive “Souterrain” - bezogen hatten, konnte unser Aufenthalt beginnen.

Ein erster Ausflug führte uns in das historische Monastir. Das antike Ruspina - von hier aus führte Cäsar seinen Afrikafeldzug - erhielt später seinen Namen von einem frühchristlichen Monasterium (Kloster). Bis in die heutige Zeit profitiert Monastir aber von seinem Prestige als Geburtsstadt des ersten Staatspräsidenten Tunesiens -  Habib Bourguiba

Mit öffentlichem Bus besuchten wir auch Sousse; man sollte hier stets passendes Kleingeld haben - korrektes Wechselgeld gab es nie!                                       Die Hauptstadt des Sahels - Sousse (in alter Zeit hieß sie “Hadrumet” und “Justiniapolis”) ist mit 125.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Tunesiens. Besonders sehenswert ist die Altstadt (Medina) mit ihren Souks (Basare), der Ribat (Wehrkloster), die Große Moschee und die Kasbah (Festung), am höchsten Punkt der Medina.

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Der Ribat von Sousse

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Eingang zur Marina von Port El Kantaoui

Nördlich von Sousse liegt der Ferienort Port El Kantaoui mit seiner attraktiven Marina, die das Zentrum dieser Erlebniswelt bildet. Um die Hafenbecken liegen ansprechende Restaurants, Cafés, teure Boutiquen und Appartments. Man sollte hier verweilen und einen Thé àl menthe (Grüner Tee mit frischer Minze) probieren und vielleicht eine Schischa (Wasserpfeife) dazu rauchen.       Es werden Schiffstouren mit historischen Booten und Unterwasserfahrzeugen angeboten - sehens- und erlebenswert für einen Nachmittag!

60 km südlich von Monastir liegt der neuere Ferienort Mahdia. Die Ferienanlage ist ein neuer, nach internationalen Standards sicher angenehmer Ferienort, mit der gewachsenen Infrastruktur jedoch nicht “typisch tunesisch” zu bezeichnen. Die Altstadt, in wenigen Gehminuten vom Bahnhof zu erreichen, ist jedoch durchaus sehenswert. Von Monastir aus erreicht man per Bahn diesen geschichtsträchtigen Ort in ca. 1 Std. Immerhin war Mahdia einst die Hauptstadt des Fatimidenreiches. Unter Sultan Obeid El Madi (921 nuZ.) galt die Festung als uneinnehmbar.

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Das Fort von Mahdia

Geht man nach Nordafrika, muß man natürlich Tunis gesehen haben. Als Tourist wird man die Medina (Altstadt) mit ihren Souks durchstreifen, an den Bauten der verschiedenen arabischen Dynastien verweilen und die protzige Architektur am Platz des 7. Novembers bestaunen.                   Sollte es die Zeit hergeben, ist ein Besuch des Bardo - Museums, nahe des Parlaments, sehr zu empfehlen. Neben einer Sammlung antiker Statuen, sind die römischen Mosaike von Bedeutung. Am Nachmittag sollte man unbedingt das andalusische Dorf Sidi Bou Said - ein Künstlerort (Paul Klee und August Macke) - besuchen!

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Platz des 7. Novembers 1987 (Amtsübernahme des Staatspräsidenten Ben Ali): Denkmal vor dem Rathaus von Tunis

Vom antiken Karthago ist nach den drei Punischen Kriegen mit Rom, nicht viel übrig geblieben.

“Das große Carthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.”                                                                               B. Brecht, Offener Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller, 1951

Dennoch ist es erhebend, an einer der bedeutendsten Stätten der Geschichte zu verweilen, von wo aus Hannibal einst mit seinen Kriegselefanten gen Rom zog.

Das heutige Karthago (Carthage) ist ein moderner Villenvorort von Tunis.                                                                                                 In zahlreichen Ausgrabungen, forscht man nach den Spuren der Phönizier, die um 814 vuZ. Karthago gründeten. So fand man Reste der alten punischen Stadtmauer und des Tempels des Baal Hammon.

Die imposanten Ruinen jedoch, die heute Publikumsmagnet sind, stammen alle aus Römischer Zeit. Sehenswert sind die römischen Villen oberhalb des Amphitheaters.                                                            Man sollte sich die Thermen des Antoninus Pius, dirkt am Golf von Tunis, nicht entgehen lassen. Ein architektonisches Feuerwerk von massiven Fundamenten, trotzigen Gewölben über mehrere Etagen, bis hin zu himmelwärts strebenden antiken Säulen.

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Karthago: Säulenreste der Thermen des Antonius Pius

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Monastir - Skanes: Hotel Liberty, Pool

Das Hotel “Liberty” ist ein kinderfreundliches Haus - die Kleinen bestimmen das Geschehen am Pool und in der Bar bis spät in die Nacht. Die Küche war teilweise gewöhnungsbedürftig                  Die Gästezimmer wurden fast jeden Tag gereinigt, auch über die Mittagszeit, und man mußte den Service nur selten bei der Rezeption anmahnen. Fast alle unsere Sachen im Zimmer fanden sich irgandwann auch wieder an.                          Die Gästestruktur ist international und wir hatten die Gelegenheit, intensive Kontakte mit unseren künftigen osteuropäischen EU - Nachbarn zu knüpfen.

Unser Fazit: Nach Jahrzehnten prosperierender Tourismusentwicklung in Tunesien, stößt diese nun an ihre Grenzen. Zahlreiche Hotelbauruinen zeugen davon, daß die Besucherzahlen nicht weiter wachsen werden. Sicher zählt Tunesien noch zu den preiswerteren Urlaubsländern. Aber auch in den unteren Preissegmenten gibt es sowas wie ein Preis-Leistungs-verhältnis; wenn die Preise moderat steigen, die Leistungen dafür aber stetig sinken, ist das Ergebnis vorhersehbar. Der Islamistische Terror auf Djerba (2002) hat sein übriges zur derzeitigen Entwicklung beigetragen! Sicherlich gibt es noch besuchenswerte Reiseziele in Tunesien - die Wüstenregionen gehören bestimmt dazu. Vielleicht findet man hier auch noch die gepriesene orientalische Gastfreundschaft. Wenn es letztere jemals gegeben hat, in den  Badeorten ist sie schon lange vom Massentourismus erschlagen und von Aufdringlichkeit und Abzocke abgelöst worden. Nicht die Tunesier allein sind an dieser Entwicklung schuld.

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